Archive - Mai 23, 2008
Zerstörer „Z 5“ der Bundesmarine geht an Griechenland
Abschied von einem Veteran

Kiel. Wenn am kommenden Freitag (26.2.82) unter den Klängen der Nationalhymnen der deutsche Zerstörer „Z 5" auf Kreta an die griechische Marine übergeben wird, geht für die Bundeswehr ein Stück Nachkriegsgeschichte zu Ende: der 1942 von der US-Navy unter dem Namen „Uss Dyson" in Dienst gestellte Veteran war das letzte militärische "Gerät" der Bundeswehr, das jemals "Feindberührung" hatte. Japanische Granaten waren es, die den im Pazifik eingesetzten Zerstörer durchlöcherten ?Schäden, von denen nach ungezählten Werftaufenthalten heute keine Spur mehr zu sehen ist.
Gemeinsam mit fünf Schwesterschiffen bildete „Z5" nach Gründung der Bundeswehr jahrelang das Rückgrat der Flotte. Tausende von Seeleuten ließen sich auf den von den USA geliehenen „alten Pötten" die Seebeine wachsen, Hunderte von Offizieren lernten die Feinheiten der Seekriegsführung. „Z 5" ist der vierte dieser Leihzerstörer, der an die Griechen weiterverliehen wird. „Z 6" wurde schon vor zehn Jahren verschrottet und „Z 1" fand den "Heldentod": Als Zielschiff wurde es vor zwei Jahren von einem deutschen U?Boot im Mittelmeer versenkt.
Von der legendären Fletcher-Klasse bauten die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg insgesamt 170 Schiffe, von denen 40 noch heute in Griechenland, der Türkei, in Mittel? und Südamerika Dienst tun. Ausrüstung und Bewaffnung wurden zwar modernisiert, aber Rumpf, Antrieb, Ruderanlage und Leitungssysteme zeichnen sich noch heute durch ungewöhnliche Qualität aus.
Bewaffnet war „Z 5" zuletzt mit vier Geschützen vom Kaliber 127 mm und zur Luftabwehr mit drei doppelläufigen 76?mm?Kanonen. Zusätzlich gab es zwei Torpedorohre für zielsuchende U?Boot?Torpedos sowie eine Einrichtung zum Minenlegen.
Für die rund 250 Mann Besatzung waren die nur 13 Meter breiten Zerstörer qualvoll enge Sardinenbüchsen. In manchen Decks schliefen in mehrstöckigen Kojen rund 60 Mann in zum Schneiden dicker Luft, bei dem Geheul von Lüftern und dem Dröhnen der Antriebsmaschine. Hinzu kam auf See das ständige Rollen und Stampfen des Schiffes sowie der Wachdienst, der den Seeleuten kaum einmal vier Stunden zusammenhängenden Schlafes gönnte. Wenn dann noch der „Smutje" das Essen versalzen hatte, oder wenn es den zehnten Tag hintereinander dieselbe Marmelade zum Frühstück gab, flogen oft die Brocken.
Die Seeleute der Z-Zerstörer waren nicht nur bei ihren Marine-Kameraden berüchtigt: So mancher Kneipenwirt in Wilhelmshaven oder Kiel weiß ein Lied davon zu singen, dass Tische und Stühle nach einem Besuch von Z?Matrosen nur noch als Brennholz zu verwenden waren.
Im Laufe seiner jetzt 40-jährigen Dienstzeit hat „Z 5" zahlreiche Ecken der Weltmeere durchpflügt. Nach seiner übernahme durch die Bundesmarine folgten - noch unter fachlicher Aufsicht der Amerikaner - Ausbildungsfahrten in der Karibik und als Abschluss ein Gefechtsschießen auf dem auf Kuba gelegenen US-Stützpunkt Guantanamo. Es folgten Manöver in der Nord? und Ostsee, Fahrten nach Jamaica, Spanien, Portugal, zu den Kanarischen Inseln, nach Nordafrika, Südfrankreich, Griechenland und in die Türkei.
Ein neuer Abschnitt im Leben des Veteranen beginnt am Freitag, wenn der Kommandant, Fregattenkapitän Dietrich von der Planitz, im griechischen Marinehafen Ormos Souda auf Kreta die schwarzrotgoldene Flagge niederholt und sein Nachfolger die griechische Flagge setzen lässt.
Quelle: Osteroder Tageszeitung vom 23.02.1982



