D 179 "ZERSTÖRER 5"
Lebenslauf des "Zerstörer 5" unter deutscher Flagge
"17.2.1960, 0900 Uhr. Schiff durch Kommandant von der Werft übernommen.
Bundesdienstflagge gesetzt." So lautet die erste Eintragung in das erste Schiffstagebuch (Logbuch) des "Zerstörer 5".
Einige Monate der Überholung durch die Marinewerft in Charleston waren vorausgegangen; eine Zeit, in der die neue Besatzung Gelegenheit hatte, sich und das Schiff und South Carolina kennenzulernen. Am 23.2.1960 erfolgte dann die ofizielle Indienststellung durch Admiral Wagner. Die sich anschließende Ausbildung in See - noch unter fachlicher Aufsicht der Amerikaner - wurde von Norfolk, Key West, Port au Prince und San Juan ausgeführt, als Abschluß erfolgte eine Gefechtsausbildung in Guantanamo (Kuba).
Schließlich war es soweit; der entgültige Abschied der ex.USS "DYSOB" von den USA war gekommen; im Juni 1960 machte sie als "Zerstörer 5" ihre erste Atlantiküberfahrt in ihre neue Heimat. Über Ponta Delgada (Azoren) ging es direkt nach Bremerhaven, wo das Schiff in der Lloyd-Werft mit deutschem Gerät nachgerüstet wurde. Im Oktober verlegte "Zerstörer 5" in seinen neuen Heimathafen Flensburg und startete hier zum ersten male zu Ausbildungszwecken in die Ostsee, wo dieser "neue" Schiffstyp mit Interesse wahrgenommen wurde.
Zusammen mit ihren Schwestern "Z 4" und "Z 6" schlossen sich im neuen Jahr erste Geschwaderübungen in der Ostsee an; ein gemeinsamer Schießabschnitt, dem unzählige folgen sollten, führte die Schiffe in die Nordsee, wo gemeinsam ein Havarist gesucht wird, den "Zerstörer 5" findet, der jedoch inzwischen keiner Hilfe mehr bedarf. Eine erste Aufklärungsfahrt in die östliche Ostsee endet mit einem Besuch Kopenhagens. Für "Zerstörer 5" ist "High Jink" das erste NATO-Manöver, in dessen Verlauf die Ostsee und norwegische Gewässer befahren werden. Unzählige Manöver mit verbündeten Marinen werden ihm folgen und die ersten aufgesuchten Häfen werden zu vertrauten Kulissen werden. Das erste nationale Manöver "Wallenstein IV" führt die drei Flensburger Fletcher zusammen in die Nordsee.
Im Frühjahr 1966 überquert "Zerstörer 5" ein letztes mal den Nordatlantik, um gemeinsam mit "Z 4" die Gefechtsausbildung in Norfolk zu absolvieren. Ein Aufenthalt in Kingston/Jamaica entschädigt die Besatzung für das strapaziöse Quartal.
Im August 1966 beginnt die erste Depotinstantsetzung in der Kieler Howaldtswerft; innerhalb von 14 Monaten wird das außer Dienst gestellte Schiff generalüberholt. Seit Indienststellung sind 145 000 Seemeilen gefahren.
Nach erfolgter Seeklarbesichtigung ist "Zerstörer 5" Anfang 1969 wieder einsatzbereit und unternimmt mit "Z 1" und "Z 4" eine Ausbildungsreise nach Alicante und Lissabon. Es folgen Übungen in norwegischen Gewässern und in der Ostsee. Im Herbst dann eine Geschwaderreise rund England mit Amsterdam als Endziel. Zwischendurch immer wieder Artillerieschießen, Rollendienst, Gefechtsausbildung, Torpedoschießen ... Im gleichen Jahr wird "Zerstörer 5" mit seinen beiden Flensburger Schwestern nach Kiel verlegt und mit den 3 Kieler Zerstörern zum 3. Zerstörergeschwader zusammengefaßt.
1970 führt eine Sturmreise die Fletcher durch die Biscaya nach Las Palmas; nach Aufklärungsaufträgen in der Ostsee und - wie immer zwischendurch - Fahrten für Lehrgänge von Marineschulen; dann im gleichen Jahr wieder Außerdienststellung und Depotinstandsetzungsperiode.
Darauf beginnt wieder das mühselige Laufenlernen eines Kriegsschiffes nach einem langen Werftaufenthalt mit neuer Besatzung, das dieses Mal sein Ende in einer Ausbildungsreise mit "Z 3" und "Z 4" nach Cadiz findet. Eintragung im Logbuch 1972: "Beim Ankern in der Aalbaek-Bucht ging der Steuerbord-Anker verloren."
1973 suchen Schiff und Besatzung zum ersten Male die Schiffsicherungslehrgruppe in Neustadt auf, um hier Vorausbildung für die Gefechtsausbildung in Portland/England zu betreiben, die im Februar beim COST (Commander Operational Sea Training) stattfindet. Nach erfolgreichem Abschluß dieser höchsten Ausbildungsstufe ist eine Mittelmeerreise nach Toulon und Ceuta (Nordafrika) ein willkommener Ausgleich. Danach bestimmen wieder Pflichtaufgaben wie Aufklärung, Schießen und diverse Schiffsvermessungen den Alltag. Eine Ausbildungsreise in norwegische Gewässer folgt 1974, Lissabon, Cadiz und Kopenhagen werden 1975 angelaufen. Die nordischen Häfen Deammen und Göteborg stehen im folgenden Jahr im Programm ebenso wie Kopenhagen, Brest und Vigo.
Alle - nach Außerdienststellung von "Z 1" und "Z 6" verbliebenen - vier Fletcher machen 1977 eine gemeinsame Reise mit Aufenthalt in Aalborg; im gleichen Jahr nimmt "Zerstörer 5" als erste deutsche Einheit an den "Catham Navy Days" in Großbritannien teil.
Das Jahr 1978 ist gekennzeichnet durch eine erneute Gefechtsausbildung in Portland und eine außergewöhnliche Reise mit Schiffen anderer Geschwader durch das Mittelmeer. Historische Stätten in Griechenland und in der Türkei können durch Besatzungsangehörige besichtigt werden. Ein Aufstieg auf den Ätna/Sizilien bleibt für viele ein unvergeßliches Erlebnis.
1979 platzt die Teilnahme an einer SEF (Ständige Einsatzgruppe der Flotte) wegen schwierigen Eisverhältnissen im Frühjahr, das NATO-Manöver "Bright Horizon" beendet eine weitere Fahrensperiode. Bei HDW in Kiel findet bis zur Jahreswende 1980 die voraussichtlich letzte erweiterte Zwischeninstandsetzung des "Zerstörer 5" statt.
Material wieder in Schwung gebracht, warten jetzt auf Schiff und Besatzung neue Aufgaben, die zu bewältigen sind, um der eigentlichen Aufgabe, der Sicherung des Friedens, gerecht zu werden - zu der auch der "Zerstörer 5" in den zurückliegenden zwanzig Jahren geholfen hat beizutragen.
(Aus "Ein Schiff wird erwachsen" - Jubiläumsschrift anläßlich des 20. Jahrestag der Indienststellung unter deutscher Flagge am 23. Februar 1960 - 1980)
ÜAG 122/78 - "Zerstörer 5" auf Sturmfahrt durch die Biskaya
"Zerstörer 5" durchpflügt den Atlantik auf dem Weg ins Mittelmeer.


Zerstörer „Z 5“ der Bundesmarine geht an Griechenland
Abschied von einem Veteran

Kiel. Wenn am kommenden Freitag (26.2.82) unter den Klängen der Nationalhymnen der deutsche Zerstörer „Z 5" auf Kreta an die griechische Marine übergeben wird, geht für die Bundeswehr ein Stück Nachkriegsgeschichte zu Ende: der 1942 von der US-Navy unter dem Namen „Uss Dyson" in Dienst gestellte Veteran war das letzte militärische "Gerät" der Bundeswehr, das jemals "Feindberührung" hatte. Japanische Granaten waren es, die den im Pazifik eingesetzten Zerstörer durchlöcherten ?Schäden, von denen nach ungezählten Werftaufenthalten heute keine Spur mehr zu sehen ist.
Gemeinsam mit fünf Schwesterschiffen bildete „Z5" nach Gründung der Bundeswehr jahrelang das Rückgrat der Flotte. Tausende von Seeleuten ließen sich auf den von den USA geliehenen „alten Pötten" die Seebeine wachsen, Hunderte von Offizieren lernten die Feinheiten der Seekriegsführung. „Z 5" ist der vierte dieser Leihzerstörer, der an die Griechen weiterverliehen wird. „Z 6" wurde schon vor zehn Jahren verschrottet und „Z 1" fand den "Heldentod": Als Zielschiff wurde es vor zwei Jahren von einem deutschen U?Boot im Mittelmeer versenkt.
Von der legendären Fletcher-Klasse bauten die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg insgesamt 170 Schiffe, von denen 40 noch heute in Griechenland, der Türkei, in Mittel? und Südamerika Dienst tun. Ausrüstung und Bewaffnung wurden zwar modernisiert, aber Rumpf, Antrieb, Ruderanlage und Leitungssysteme zeichnen sich noch heute durch ungewöhnliche Qualität aus.
Bewaffnet war „Z 5" zuletzt mit vier Geschützen vom Kaliber 127 mm und zur Luftabwehr mit drei doppelläufigen 76?mm?Kanonen. Zusätzlich gab es zwei Torpedorohre für zielsuchende U?Boot?Torpedos sowie eine Einrichtung zum Minenlegen.
Für die rund 250 Mann Besatzung waren die nur 13 Meter breiten Zerstörer qualvoll enge Sardinenbüchsen. In manchen Decks schliefen in mehrstöckigen Kojen rund 60 Mann in zum Schneiden dicker Luft, bei dem Geheul von Lüftern und dem Dröhnen der Antriebsmaschine. Hinzu kam auf See das ständige Rollen und Stampfen des Schiffes sowie der Wachdienst, der den Seeleuten kaum einmal vier Stunden zusammenhängenden Schlafes gönnte. Wenn dann noch der „Smutje" das Essen versalzen hatte, oder wenn es den zehnten Tag hintereinander dieselbe Marmelade zum Frühstück gab, flogen oft die Brocken.
Die Seeleute der Z-Zerstörer waren nicht nur bei ihren Marine-Kameraden berüchtigt: So mancher Kneipenwirt in Wilhelmshaven oder Kiel weiß ein Lied davon zu singen, dass Tische und Stühle nach einem Besuch von Z?Matrosen nur noch als Brennholz zu verwenden waren.
Im Laufe seiner jetzt 40-jährigen Dienstzeit hat „Z 5" zahlreiche Ecken der Weltmeere durchpflügt. Nach seiner übernahme durch die Bundesmarine folgten - noch unter fachlicher Aufsicht der Amerikaner - Ausbildungsfahrten in der Karibik und als Abschluss ein Gefechtsschießen auf dem auf Kuba gelegenen US-Stützpunkt Guantanamo. Es folgten Manöver in der Nord? und Ostsee, Fahrten nach Jamaica, Spanien, Portugal, zu den Kanarischen Inseln, nach Nordafrika, Südfrankreich, Griechenland und in die Türkei.
Ein neuer Abschnitt im Leben des Veteranen beginnt am Freitag, wenn der Kommandant, Fregattenkapitän Dietrich von der Planitz, im griechischen Marinehafen Ormos Souda auf Kreta die schwarzrotgoldene Flagge niederholt und sein Nachfolger die griechische Flagge setzen lässt.
Quelle: Osteroder Tageszeitung vom 23.02.1982
"Zerstörer 5" im Eis
Zerstörer 5 im Winter 1978/79 in der Ostsee im Treibeis





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